Geschichte der Pfarrei

Oft werden die Neureuter gefragt, warum denn gerade der Apostel Judas Thaddäus als Patron der neuen Kirche gewählt ist. Die Antwort erklärt sich aus der Geschichte der Katholischen Gemeinde in Neureut.

20er Jahre

Seit der Reformation bzw. seit der Ansiedlung der Waldenserflüchtlinge wohnten in Neureut ausschließlich evangelische Christen. Die verschwindend wenigen Katholiken wurden bis in die Mitte der zwanziger Jahre von der Pfarrei St. Peter und Paul in Karlsruhe-Mühlburg betreut. Danach war der Kurat von Hl.Kreuz in Knielingen für die Katholiken in Neureut zuständig, gleichzeitig aber auch für die Katholiken in fünf weiteren Dörfern der Hardt.

1929

Nach vielen vergeblichen Anläufen gelang es Pfarrkurat A. Ronellenfisch im November 1929, das bisherige Unterlehrerzimmer in der alten Schule von Teutsch-Neureut als Gottesdienstraum zu mieten. Liebevoll wurde dieser Raum als St. Judas-Thaddäus-Kapelle eingerichtet. Diese Namensgebung geschah wohl deswegen, weil der Apostel Judas Thaddäus als "Helfer in besonders schweren Nöten" gilt. Als schwierige Situation empfand Pfarrkurat A. Ronellenfisch die Seelsorgetätigkeit in Neureut. In einem Bericht benutzte er einmal das Bild, der Weinberg des Herrn sei derzeit überall ein steiniger Acker, aber in Neureut hätte er es mit einem Steinbruch zu tun. Die Diasporasituation, wo nur 10 bis maximal 17 Personen am Gottesdienst teilnahmen, war für ihn bedrückend. Andererseits wuchs unter den wenigen Gemeindegliedern ein starker Zusammenhalt. Pfarrkurat Ernst Grieshaber berichtete wenige Jahre später voller Freude, wie die Schulkinder sich bei der Gottesdienstgestaltung einsetzten und auch Werktagsgottesdienste treu besucht wurden. 

1946

Im Jahr 1946 ergab sich schlagartig eine neue Situation. Hunderte von Heimatvertriebenen wurden in Neureut einquartiert. Die meisten waren Katholiken. Die kleine Judas-Thaddäus-Kapelle alten Schulhaus quoll förmlich über. Gottesdienstbesucher mussten auch den Gängen stehen.  

1949

St. Judas ThaddäusSt. Judas Thaddäus
St. Judas Thaddäus

1949 gelang es, einen größeren Raum zu finden, das frühere Gasthaus "Lamm" mit dem dazugehörigen Saal. Dieser Lammsaal wurde als Gottesdienstraum eingerichtet und wiederum nach dem Apostel St. Judas Thaddäus benannt. Er diente bis zum Jahr 1989 als Notkirche für die Katholiken im alten Ortsteil Neureut. 

1952/53

Wohl war 1952/53 unter Pfarrkurat Theodor Böser die katholische Pfarrkirche St. Heinrich und Kunigunde errichtet worden, und zwar im Ortsteil Neureut-Kirchfeld. Dort war Anfang der fünfziger Jahre die landesweit größte Siedlung für Heimatvertriebene entstanden. Aber es zeigte sich auch für die Katholiken in Alt-Neureut, dass eine größere Kirche mit Gemeinderäumen und Kindergarten notwendig wurde. 

1963

Im Jahr 1963 entschied man sich, einen Bauplatz im geplanten "Neuen Zentrum Neureuts" zu suchen. 

1964

Nach langen Jahren der Zugehörigkeit zu den Karlsruher Stadtgemeinden wurde 1964 die Pfarrei St. Heinrich und Kunigunde errichtet und Pfarrer Böser zum ersten Pfarrer der Gemeinde ernannt.

1980

Doch erst 1980 wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Professor Ottokar Uhl, Wien erhielt am 12.12.1980 den ersten Preis für seinen Entwurf. Der Pfarrgemeinderat von Neureut mit Pfarrer Meinrad Franz erteilte schon sehr bald den Auftrag zur weiteren Planung an Professor Uhl. Aber dann ergaben sich große Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Sie erzwangen Umplanungen, insbesondere für Kindergarten, Gemeindesaal und die im ursprünglichen Entwurf vorgesehene Wohnbebauung. 

1989

Endlich, am 15.4.1988 konnte der erste Baggerbiss erfolgen. Am 28.10.1988 fand die Grundsteinlegung statt. Die Eröffnung des Kindergartens folgte am 15.8.1989. Am ersten Advent, dem 3.12.1989, war es dann soweit: Unter starker Beteiligung der katholischen Gemeinde und der evangelischen Mitbürger weihte Erzbischof Oskar Saier Kirche und Altar des neuen Gemeindezentrums. Und wiederum wurde als Kirchenpatron der Apostel St.Judas Thaddäus gewählt. Die Gestalt der Kirche St. Judas Thaddäus ist anders, als man gemeinhin von einer Kirche erwartet. Und doch wird sie in einem hohem Maß von den Menschen, jung und alt, angenommen. Gerade junge Familien mit ihren Kindern nehmen erstaunlich oft an den Gottesdiensten teil. In Ansätzen ist jetzt schon Wirklichkeit geworden, was Ottokar Uhl bei der Schlüsselübergabe in markanten Sätzen aussprach:"Wenn ich Ihnen den Schlüssel zu diesem Haus übergebe, dann habe ich als Architekt einen kleinen Beitrag dazu geleistet, ein Haus zu bauen, aber ich hatte immer an den Beitrag gedacht,den dieses Haus einmal für uns leisten könnte - ich habe also geträumt:
- Ich habe mir vorgestellt, dass dieses Haus ein Ort sein soll, an dem Christen durch die Art und Weise, wie sie zusammenkommen, wie sie miteinander leben und handeln, wie sie für andere und füreinander eintreten, ein Zeichen in der Welt setzen können.
- Ich habe mir vorgestellt, dass von diesem Haus in einer wohlständigen, satten Gesellschaft unbequeme Fragen ausgehen, die in gewaltfreie Gesellschaftsveränderungen überführt werden, mit der Macht und Dynamik, die wir gerade in der DDR erleben konnten.
- Ich habe mir vorgestellt, dass dieses Haus ein Ort der Idee, der Diskussion, der offenen ungezwungenen Kritik auch an der Kirche sein könnte.
- Ich stelle mir vor, dass es ein Haus des Weinens und des Lachens sein soll für alle, die darin leben, daß es eine Mitte werden soll für die Handlungen der Menschen, die mit ihren Handlungen weit über dieses Haus hinweg greifen."
 

2004

Am Christkönigsfest, 24. November, wurde die Seelsorgeeinheit Karlsruhe-Hardt errichtet. Die beiden katholischen Gemeinden Karlsruhe-Neureut und Eggenstein-Leopoldshafen verpflichteten sich zu einer verbindlichen Zusammenarbeit.

2015

zum 1. Januar 2015 wurden im ganzen Bistum Freiburg die Kirchengemeinden aufgehoben und neue Kirchengemeinden errichtet. Die neuen Kirchengemeinde, zu denen die Pfarreien St. Heinrich und Kunigunde. KA-Neureut und die Pfarrei St. Antonius, Eggenstein-Leopoldshafen gehören heißt seither Katholische Kirchengemeinde Karlsruhe-Hardt.
Die Pfarreien bleiben aber als kirchenrechtlich eigenständig bestehen.
 
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